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Delegiertenversammlung der schweizerischen Appenzeller-Vereine in Arbon

Bei wunderschönem Wetter nahmen Christian Signer und Markus Gürber vom Appenzeller-Verein Basel und Umgebung den Weg unter die Räder und fuhren am 08. Mai 2004 an die DV ins tiefste Mostindien. Die Apfelbäume blühten schon wunderbar. Die Reise war ein Genuss und stimmte uns frohgemuht auf die kommende Versammlung.  

Die Versammlung startete natürlich mit einer Führung in der Mosterei Möhl, wo wir sehr herzlich mit einem Saft à discrétion empfangen wurden. Im Mai liegt der ganze Betrieb in einer Art Winterschlaf, doch zeigt sich, dass die Anlagen der Mosterei auch in dieser Zeit sehr gut besichtigt werden können. Vor allem steht den Firmenangehörigen mehr Zeit zur Verfügung, unsere Fragen zu beantworten und eingehender zu erklären, als es vermutlich in der Hochsaison der Fall gewesen wäre. Unsere Gruppe wurde vom Patron der Firma selber, Herrn Möhl geführt. Wir wurden sehr präzise davon unterrichtet wie viel Investionen notwendig sind, um den ganzen Betrieb zu verbessern, zu optimieren und damit am Leben zu erhalten. Es ist sehr eindrücklich, wie viele Maschinen und Roboter heute notwendig sind, um diesen beliebten Apfelsaft rationell und dennoch so schonend wie möglich schlussendlich in die Flaschen zu bringen. Eindrücklich ist auch, dass die Firma Möhl mit keinem Bauer in der Umgebung einen Abnahmevertrag besitzt, sondern der ganze Apfelhandel auf partnerschaftlicher Basis abgewickelt wird. Somit ist erwiesen, dass fair gehandelt wird und beide Seiten voneinander profitieren können. Abschliessend wurden wir zu einem Mostsekt eingeladen, welcher gar nicht so schlecht mundete.  

Weiter ging es zum Mittagessen. Ausserhalb vom Dorf waren für uns die Tische gedeckt worden und wir liessen es uns gut gehen beim feinen Braten mit Gratin und Gemüse.  

Nach dem Essen mussten wir uns endlich dem Geschäftlichen widmen. Hier möchte ich vom umfangreichen Bericht der Appenzeller-Zeitung einen kurzen Teil übernehmen.  

«Wir versuchen Heimat zu geben, wo sie verloren gegangen ist», eröffnete Karl Hauser, Obmann der Arbeitsgemeinschaft Appenzellervereine der Schweiz, die DV. Im Zeitalter der Globalisierung und der Gewinnorientierung, die zur Entfremdung führen, wenn der Mensch nur noch als Nummer und Strichcode vorkomme, würden Werte wie Heimat und Liebe wieder doppelt an Bedeutung gewinnen, so Hauser. Und diese zu vermitteln sei die Aufgabe der Vereine. Im Appenzellerverein Winterthur und Umgebung sei beispielsweise die Pflege des Volksgesangs, der Mundart und der Appenzeller Kultur in den Statuten verankert. Heute seien diese Gedanken genauso aktuell wie bei der Gründung der verschiedenen Vereine Ende des 19. Jahrhunderts, als die Appenzeller aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen waren ihre Heimat zu verlassen. Alljährlich treffen sich die auswärtigen Appenzellerinnen und Appenzeller zweimal. Einmal zur DV und einmal zum Begegnungstag. Der diesjährige Begegnungstag findet am ersten Sonntag im September in Zürich statt. Entsprechend kurz fielen Rückblick und Ausblick aus.  

Für Stefan Frischknecht, Gemeindepräsident von Urnäsch und Geschäftsführer des geplanten Reka-Feriendorfes, war es ein leichtes Unterfangen, für das Projekt bei den 55 Anwesenden im positivsten Sinne zu werben. Wir von der Basler Sektion haben uns für eine Aktie an diesem Feriendorf angemeldet. Auch Joe Manser, Geschäftsführer des Zentrums für Appenzellische Volksmusik, profitierte vom Heimweh der Exil-Appenzeller und präsentierte «sein» Roothuus in Gonten, das ebenfalls noch auf einen finanziellen Zustupf wartet. Sein Mitbringsel, ein Muster Alpenbitter, überreichte er mit einem Vers im innerrhoder Dialekt, und sicher schlug das Herz des einen oder andern etwas höher.  

Nach diesen Ausführungen wurde die Versammlung geschlossen und alle verstreuten sich wieder gutgelaunt nach Hause mit dem einzigen Gedanken, sich am ersten Wochenende im September 2004 am Begegnungstag in Zürich zu treffen, wo diesmal eine etwas andere Wanderung im Kobratram auf dem Programm steht.                                                                

Markus Gürber

siehe auch AVCH